Zur Vorgeschichte der klassischen deutschen Philosophie

Von der mittelalterlichen Mystik bis zum logischen Rationalismus


Hrsg. von Wolfgang Biedermann

Das philosophische Denken in Europa ab dem 13./14. Jahrhundert wird in seinem inneren Zusammenhang vorgestellt. Unter diesem Blickwinkel erfährt der interessierte Leser, dass der den klassischen Atheismus vollendende Satz Ludwig Feuerbachs „Homo homini deus est“ seinen Anfang bereits bei Meister Eckehart nahm. Die Vorstellung von Gott und aller Dinge war bei ihm schon das Produkt des erwachenden Bewusstseins: „Wäre ich nicht, so wäre Gott auch nicht.“ Daneben gebrauchte er in seinen Predigten solche Begriffe wie Vernunft, Verstand, Gemüt und Grund, die sukzessive zu Grundbegriffen der modernen Philosophie und Wissenschaftssprache wurden.
     Beginnend mit Meister Eckehart, über Nikolaus von Kues, Giordano Bruno, Jakob Böhme, René Descartes, Benedikt Spinoza und Gottfried Wilhelm Leibniz wird die innere Verbindung ihrer Lehren, ihr Vorher und ihr Nachher, sowohl skizziert als auch gewürdigt. Alle Denker kommen selbst mit ihren bereichernden Auffassungen über die Mensch‐Gott‐ oder Gott‐Natur‐Beziehung zu Wort. In der weiteren Konsequenz des philosophischen, das heißt auch freien Denkens, verblieben nur noch die Begriffe Mensch und Natur.

georg biedermann